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Ulefoss: Kanal, Eisenwerk und Telemark-Geschichte

 · 6 Min. Lesezeit

Historische Schleusenanlage am Telemarkskanal in Ulefoss mit altem Eisenwerk im Hintergrund
Beitragsbild: KI-generiert

Das Wichtigste in Kürze:

  • Ulefoss liegt im norwegischen Telemark am Nordsjøkanal, einem ruhigen Abschnitt des Telemarkskanals zwischen Skien und den Seen des Binnenlands.
  • Der Ort ist eng mit dem Ulefos Jernværk verbunden, Norwegens ältestem noch bestehenden Industrieunternehmen mit einer fast 370 Jahre langen Betriebsgeschichte.
  • Die Gießereiproduktion am Standort wird in den kommenden drei Jahren schrittweise eingestellt und nach Stange verlagert, was mehr als 100 Arbeitsplätze betrifft.
  • In unmittelbarer Nähe liegt das Fensfeltet, ein Vorkommen seltener Erden, dessen Ressourcenschätzung 2026 deutlich nach oben korrigiert wurde.

Ulefoss ist einer dieser norwegischen Orte, die auf den ersten Blick beschaulich wirken und auf den zweiten eine erstaunlich dichte Geschichte offenbaren. Zwischen Herrenhaus, Kanalschleusen und einer jahrhundertealten Eisengießerei verdichtet sich hier norwegische Industriegeschichte auf engstem Raum, während am Ortsrand zugleich über die Rohstoffe der Zukunft verhandelt wird. Wer Ulefoss besucht, bewegt sich zwischen zwei Zeitachsen: der fast 370-jährigen Tradition des Eisenwerks und der Debatte um ein mögliches Bergbauprojekt, das gerade erst staatliche Planungsschritte durchläuft.

Lage und Zugang zum Telemarkskanal

Ulefoss liegt im Herzen von Telemark, etwa eine Autostunde nordwestlich von Skien entfernt, direkt am Nordsjøkanal. Dieser Abschnitt gehört zum berühmten Telemarkskanal, der Skien mit Dalen verbindet und als eines der ambitioniertesten Wasserbauprojekte Norwegens aus dem 19. Jahrhundert gilt. Die Schleusenanlage von Ulefoss ist bis heute in Betrieb und macht den Ort zu einer festen Anlaufstelle für Kanalboote, die zwischen den Seen und Flussabschnitten der Region verkehren.

Die Fahrt dorthin führt durch typisch telemärkische Landschaft: bewaldete Hügel, offene Wasserflächen und vereinzelte Höfe. Wer mit dem eigenen Boot unterwegs ist oder eine der Kanalfahrten bucht, erlebt die Schleuse von Ulefoss als eines der optischen Highlights der Strecke. Für Autoreisende ist der Ort auch ein guter Zwischenstopp auf dem Weg von der Küste ins Telemarker Binnenland, etwa in Richtung Bø oder Notodden.

Das Ulefos Jernværk: Norwegens ältestes Industrieunternehmen

Kaum ein Gebäudeensemble prägt Ulefoss so sehr wie das Eisenwerk Ulefos Jernværk. Es gilt als Norwegens ältestes noch bestehenden Industrieunternehmen, dessen kontinuierliche Betriebsgeschichte fast 370 Jahre zurückreicht. Diese Kontinuität ist für ein Industrieunternehmen in Europa eine echte Ausnahme und macht den Standort auch für historisch interessierte Besucher bedeutsam.

Zum Ensemble gehört das Herrenhaus Ulefos Hovedgård mit seinem weitläufigen Park, der zu den sehenswertesten historischen Gartenanlagen Norwegens zählt. Die Kombination aus Herrenhaus, Werksgebäuden und Kanallandschaft erzählt die Geschichte einer Region, in der Wasserkraft, Eisenerz und unternehmerisches Geschick über Jahrhunderte zusammenkamen.

Allerdings steht diese lange Tradition nun vor einem einschneidenden Wandel. Die Gießereiproduktion in Ulefoss soll innerhalb von bis zu drei Jahren schrittweise beendet werden. Mehr als 100 Beschäftigte sind davon betroffen, die Produktion läuft derzeit aber noch weiter. Die Entscheidung zur Stilllegung ist nach aktuellem Stand bereits gefallen, nicht mehr nur geplant.

Was die Werksschließung für den Ort bedeutet

Für eine Gemeinde von der Größe Ulefoss’ ist ein Arbeitgeber mit mehr als 100 Stellen ein bedeutender wirtschaftlicher Faktor. Entsprechend groß war der öffentliche Widerstand, bevor die Entscheidung endgültig feststand: Mehrere hundert Einwohner nahmen an einem Fackelzug teil, um für den Erhalt des Unternehmens zu demonstrieren. Dieser Protest konnte die Verlagerung letztlich nicht verhindern.

Die norwegische Gießereiproduktion soll künftig bei Furnes Jernstøperi in Stange gebündelt werden, wo rund 30 zusätzliche Arbeitsplätze entstehen sollen. Für Ulefoss selbst ist die Nachnutzung des freiwerdenden Geländes noch offen; entsprechende Möglichkeiten sollen parallel zur schrittweisen Stilllegung geprüft werden. Wer den Ort in den kommenden Jahren besucht, wird die Auswirkungen dieses Strukturwandels möglicherweise direkt vor Ort beobachten können, etwa an der Entwicklung des Werksgeländes oder an neuen Nutzungskonzepten für die historischen Gebäude.

Das Fensfeltet: Seltene Erden vor den Toren der Stadt

Nur wenige Kilometer von Ulefoss entfernt liegt das Fensfeltet, ein geologisch außergewöhnliches Gebiet, das als eines der bedeutendsten Vorkommen seltener Erden in Europa gilt. Diese Rohstoffe sind für Technologien wie Windkraftanlagen, Elektromotoren und batteriebetriebene Fahrzeuge von strategischer Bedeutung, was dem Projekt auch politisch Gewicht verleiht.

Die von Rare Earths Norway gemeldete Ressource seltener Erdoxide wurde 2026 von 8,8 Millionen Tonnen auf 15,9 Millionen Tonnen angehoben, ein Zuwachs von rund 80 Prozent gegenüber der Schätzung von 2024. Grundlage dieser aktualisierten Zahl sind rund 30.000 Bohrmeter, die über fünf Jahre gesammelt wurden; eine weitere Kampagne mit 6.500 Metern Kernbohrungen läuft bereits.

Für das Projekt wurde zudem eine staatliche Planungsregelung eingeleitet. Ziel ist ein fertiger Regulierungsplan frühestens Ende 2027 und spätestens 2028. Eine kommerzielle Förderung ist damit weiterhin nicht bestätigt, das Vorhaben befindet sich in der Planungs- und Erkundungsphase. Für Ulefoss bedeutet das: Die Entwicklung rund um das Fensfeltet verläuft parallel zur Werksschließung, betrifft aber einen ganz eigenen Zeithorizont und ein anderes Themenfeld, nämlich Rohstoffversorgung statt klassischer Gießereiproduktion.

Kultur und Veranstaltungen vor Ort

Trotz der wirtschaftlichen Umbrüche bleibt Ulefoss touristisch aktiv. Für 2026 wurden weiterhin Kultur- und Veranstaltungsangebote angekündigt, darunter Ausstellungen und Konzerte, die sich gut in einen Kanalbesuch oder einen Ausflug ins Telemarker Binnenland einbauen lassen. Wer die Region bereist, findet in Ulefoss also nicht nur Industriegeschichte, sondern auch ein gewisses kulturelles Eigenleben, das unabhängig von den großen Strukturfragen weiterläuft.

Der Park der Ulefos Hovedgård eignet sich besonders gut für einen ruhigen Spaziergang abseits des Trubels größerer norwegischer Städte. Die Kombination aus gepflegter Gartenanlage, Blick auf den Kanal und den historischen Werksgebäuden macht den Ort auch für einen kurzen Zwischenstopp attraktiv, selbst wenn man nicht tiefer in die Industriegeschichte einsteigen möchte.

Häufige Fragen

Wo genau liegt Ulefoss in Norwegen?

Ulefoss liegt in der Provinz Telemark, direkt am Nordsjøkanal, einem Teilabschnitt des Telemarkskanals. Der Ort befindet sich etwa eine Autostunde nordwestlich von Skien und ist sowohl per Auto als auch per Kanalboot erreichbar.

Wird die Eisengießerei in Ulefoss komplett geschlossen?

Die Gießereiproduktion wird schrittweise innerhalb von bis zu drei Jahren eingestellt und nach Stange zu Furnes Jernstøperi verlagert. Mehr als 100 Beschäftigte sind betroffen, während die Produktion derzeit noch weiterläuft. Eine endgültige Nachnutzung des Geländes in Ulefoss steht noch nicht fest.

Was hat es mit dem Fensfeltet bei Ulefoss auf sich?

Das Fensfeltet ist ein Vorkommen seltener Erden in unmittelbarer Nähe von Ulefoss, dessen Ressourcenschätzung 2026 auf 15,9 Millionen Tonnen angehoben wurde. Eine staatliche Planungsregelung soll bis spätestens 2028 einen Regulierungsplan hervorbringen, eine kommerzielle Förderung ist aber noch nicht bestätigt.

Lohnt sich ein Besuch in Ulefoss für Touristen?

Ja, besonders für Reisende, die sich für Kanalfahrten, Industriegeschichte oder historische Gutshäuser interessieren. Die Kombination aus Schleusenanlage, Ulefos Hovedgård mit Park und den Werksgebäuden bietet auf kleinem Raum viel norwegische Geschichte, ergänzt durch lokale Veranstaltungen wie Ausstellungen und Konzerte.